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Die SPD Bremerhaven hat auf ihrem Parteitag (10. August 2016) wichtige personelle Weichen gestellt: Beim Delegierten-Konvent im Haus am Blink wurde Oberbürgermeister Melf Grantz für eine weitere Amtszeit nominiert. Der Hafenarbeiter Uwe Schmidt soll Nachfolger des langjährigen Bundestagsabgeordneten Uwe Beckmeyer werden: Beckmeyer, auch Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und Maritimer Koordinator der Bundesregierung, kandidiert bei der nächsten Wahl – voraussichtlich im Herbst kommenden Jahres – nicht erneut. Schmidt wird nun bei der Wahlkreiskonferenz im November Kandidat der Seestadt-SPD sein, da sich der Bundestagswahlkreis 55 aus dem Bremer Westen, Bremen-Nord und der Seestadt Bremerhaven bildet. Der Bremerhavener SPD-Vorsitzende, Senator Martin Günthner, hatte zum Auftakt des Parteitags betont, dass es für die Sozialdemokratie selbstverständlich sei, ihren Führungsanspruch in und für Bremerhaven zu betonen: „Es war für Bremerhaven immer gut, wenn Sozialdemokraten das Sagen hatten. Das soll so bleiben, dafür werden wir uns einsetzen.“
In seiner „Bewerbungsrede“ beschrieb Oberbürgermeister Melf Grantz die Erfolge der vergangenen Jahre, „weil es eine Neigung gibt, das gemeinsam Erreichte zu vergessen.“ In den bisher fünfeinhalb Jahren seiner Amtszeit als Oberbürgermeister sei man dem gemeinsamen Anspruch gerecht geworden, die Stadt trotz schwieriger Rahmenbedingungen voranzubringen und weiter zu entwickeln. „Wir haben in den letzten neun Jahren 9.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen und wir werden nicht nachlassen, dass es noch mehr werden: Wir stehen auch uneingeschränkt zum Bau des Offshore-Terminals Bremerhaven und werden mit aller Kraft dafür kämpfen. Wir haben bei den Finanzen den Sanierungskurs eingehalten, weisen aber darauf hin, dass eine auskömmliche Finanzierung von Seiten des Landes kein Gnadenakt ist, sondern ein Rechtsanspruch.“ Im Bereich der Inneren Sicherheit sei es als Erfolg festzuhalten, dass die Zielzahl von 474 Polizeistellen erreicht werden könne und dass Bremerhaven auch weiterhin eine eigenständige Ortspolizeibehörde behalte. „Wissenschaft ist zunehmend ein Arbeitsmarktfaktor, mehr als 1500 Beschäftigte im Bereich Wissenschaft und Forschung gibt es in unserer Stadt. Wir wollen die Hochschule weiter ausbauen, nach der Steigerung um 1000 Studierende auf jetzt 3300 bleibt unser erstes Ziel die 5000.“ Der Tourismus habe sich erfreulich entwickelt, auch das Setzen auf den Kreuzfahrttourismus habe sich als vorausschauend richtig erwiesen. Grantz unterstrich, die SPD stehe auch weiterhin zum Klinikum Bremerhaven als Haus der Maximalversorgung: „Wir wollen den Kampf aufnehmen gegen die Privaten, die sich nur die Rosinen rauspicken“, sagte der Oberbürgermeister unter dem Beifall der mehr als 100 Delegierten. Es sei festzuhalten, dass Bremerhaven mit Blick auf die Stadtentwicklung wieder eine wachsende Stadt sei: „Das haben wir erreicht, weil wir gemeinsam die urbane Stadtentwicklung vorangetrieben haben.“ Der aktuelle Fokus auf Lehe beispielsweise mit dem städtebaulichen Wettbewerb beim Kistner-Gelände und dem nachhaltigen Kümmern um Schrottimmobilien bedeute nicht, dass andere Stadtteile außenvor blieben, so Grantz: Mit den Aktivitäten in Leherheide, dem städtebaulichen Wettbeweb Klußmannstraße und den Plänen für Wulsdorf, u.a. zum Warrings-Gelände und zur Öffnung des Stadtteils in Richtung Fischereihafen, sei klar, dass urbane Entwicklung in Bremerhaven ganzheitlich strukturiert sei. In Zukunft komme es darauf an, so der Oberbürgermeister, das Ziel einer lebenswerten Stadt für alle im Blick zu behalten und u.a. auch bei der Schaffung von attraktivem Wohnraum und der Verbesserung von Infrastruktur wie beispielsweise dem Ausbau des Fahrradwegenetzes nicht nachzulassen: „Wichtig ist, dass wir bei der Stadtentwicklung nicht die Integrationsarbeit außer acht lassen. Die Aufnahme von Flüchtlingen in Bremerhaven hat bisher sehr gut funktioniert. Es muss aber allen klar sein, dass es weiterer Investitionen bedarf in Kita und Bildung. Und es ist wichtig festzuhalten, dass sozialer Zusammenhalt unabdingbar verbunden ist mit weiterem wirtschaftlichen Aufschwung.“ Grantz dankte für die bisherige Unterstützung im Amt: „Es gibt noch viel zu tun. Ich will mit Euch gemeinsam gute Politik für unser Bremerhaven machen, unsere Stadt für alle bleibt weiterhin unser Ziel.“
Uwe Schmidt ist der Bremerhavener Vorschlag für die Wahl des Kandidaten für das Mitglied des Deutschen Bundestags im Wahlkreis 55: Der 50-jährige Hafenarbeiter nutzte den Parteitag, um sich vor seiner Nominierung allen Delegierten vorzustellen. Zum Auftakt sagte Schmidt, er sei nicht nervös, aber aufgeregt: „Schließlich bewerbe ich mich nicht um den Posten des stellvertretenden Grillmeisters im Fischereihafen. Die Fußstapfen von Uwe Beckmeyer sind groß“. Schmidt – gelernter Hafenarbeiter, seit 1995 Mitglied und seit 2012 Vorsitzender des Betriebsrats im Gesamthafenbetrieb Bremerhaven – sagte, ihm sei wichtig, dass die SPD ihr Profil für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalte und ausbaue: „Seit meinem Eintritt 2010 sehe ich das als meine Aufgabe, gemeinsam mit Euch und von Euch unterstützt: Das ist meine Programmatik, deswegen habe ich damals auch die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in Bremerhaven gemeinsam mit anderen neu belebt.“ Bei der AfA Bremerhaven ist Schmidt Vorsitzender und im AfA-Landesvorstand stellvertretender Vorsitzender an der Seite von Wolfgang Jögers. Seit 2015 ist Schmidt Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, sein Schwerpunkt liegt dort in den Arbeitsfeldern Wirtschaft und Häfen, Arbeit sowie Haushalt und Finanzen. „Durch meine Mitgliedschaft bei Verdi seit 1985 und meine Mitgliedschaft in der Bundestarifkommission Bereich Häfen seit 2012 bin ich auch auf Bundesebene aktiv und werde mich – für den Fall meiner Wahl zum Kandidaten – für Bremerhaven und den ganzen Wahlkreis in Berlin stark machen“, versprach Schmidt. Am 15. November bestimmt ein Wahlparteitag mit Delegierten aus dem Bremer Westen, aus Bremen-Nord und Bremerhaven den gemeinsamen Kandidaten für den Wahlkreis.