Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Auch Geburt und Wochenbett sind natürliche Vorgänge, bei denen die werdenden Eltern Beratung und Unterstützung benötigen. Schwangere Frauen sind in der Regel nicht gefährdet. Sie brauchen Unterstützung und Zuspruch. Die Fachfrauen für die Betreuung der Schwangeren und Wöchnerinnen sind die Hebammen. Doch sie erhalten für diese Leistung weniger als den Mindestlohn. „Das ist ein Skandal“, meint Sybille Böschen, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. „Deshalb fordern wir den Senat auf, sich dafür einzusetzen, dass die wirtschaftliche Existenzfähigkeit niedergelassener Hebammen gesichert wird.“
Am Mittwoch, 21.November, wird in der bremischen Bürgerschaft nun der Antrag „Wirtschaftliche Existenz freiberuflich tätiger Hebammen sichern“ diskutiert. Die Bürgerschaft fordert den Senat auf, sich unter anderem auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass Hebammen künftig mehr verdienen können. Hintergrund ist, dass seit 2009 etwa jede vierte freiberufliche Hebamme die Geburtshilfe aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben hat. Das Einkommen vieler freiberuflich tätiger Hebammen liegt bei einem Jahresumsatz von rund 24 000 Euro und damit an der Grenze zum Existenzminimum. Krankenhäuser schließen ihre Geburtsstationen, weil sie keine Beleghebammen mehr finden. „Obwohl überall lautstark die zurückgehende Zahl der Geburten beklagt wird, zahlen wir denjenigen, die maßgeblich an einer gelungenen Schwangerschaft und Geburt beteiligt sind, weniger als den Mindestlohn“, sagt Sybille Böschen.